Autor: Dr. Veronika Burtscher-Kiene

  • Und wo war ich da?

    Und wo war ich da?

    Ach, ja, diese Kinderfragen… Allzu oft bringen sie uns als Eltern ins Schwitzen und an den Rande unserer Weisheit.

    Vom Anfang des Lebens
    Eine dieser Fragen, auf die ich im ersten Moment gar keine Antwort wusste und auch im Verlauf des Gesprächs nicht sicher war, ob ich wirklich eine gefunden habe, war folgende:
    Irgendwie sind meine Kinder und ich im Gespräch auf das Auto zu sprechen gekommen, das ihr Vater und ich vor ihrer Geburt hatten. Wir haben über Marke und Farbe geredet und ob es einen Namen hatte. Das war für mich alles leicht zu beantworten. Doch dann kam die Frage: Und wo waren wir da? Da habe ich einmal geschluckt, denn wie erklärt man einem fünfjährigen und einem dreijährigen Kind, wo sie vor ihrer Geburt waren.

    Erklärungsversuche
    Ich habe es mit verschiedenen Zugängen versucht: „Da wart ihr noch nicht geboren.“ Das war einmal ein Anfang, doch das ergibt für Kinder noch keinen Sinn. Denn, sie waren zwar noch nicht auf der Welt, aber es muss sie doch irgendwie gegeben haben. Also gingen meine Versuche weiter, dieser zum Teil philosophischen Frage nachzukommen.
    Ihr könnt euch mein Gestotter sicher vorstellen, während ich die erwartungsvollen Augen meiner Kinder gesehen habe. Ich konnte ihnen doch schließlich nicht einen Vortrag über Zellteilung und die Zeugung des Lebens halten, einfach weil sie das noch nicht verstehen würden.

    Antwort muss sein
    Meine Devise ist und bleibt zwar: Wenn Kinder Fragen stellen, ist es unsere Pflicht als Erwachsene, ihnen eine Antwort zu bieten. Manchmal müssen wir aber einfach auch akzeptieren, dass wir eine Frage nicht zur vollständigen Befriedigung aller in diesem Moment beantworten können.
    Möglicherweise habt ihr ja eine gute Idee, aber mir ist weder im Gespräch mit den Kindern, noch jetzt, während ich den Blogtext schreibe, eine bessere Antwort eingefallen als: „Da hat es euch noch nicht gegeben.“ Ergänzt habe ich die Antwort mit der uns allen bekannten Beschreibung: „Da seid ihr noch mit den Mücken geflogen.“
    Vielleicht ist es nicht die perfekte Antwort, aber sie honoriert das Interesse meiner Kinder. Zudem erleben meine Kinder, dass ich sie ernst nehme und versuche, ihren Wissensdurst zu stillen. Außerdem scheinen sie mit der Erklärung aktuell zufrieden zu sein. Sie zitieren sie zumindest häufig…

  • Wie Kinder denken

    Wie Kinder denken

    Bereits in früheren Beiträgen wie zum Beispiel Faszination Kind habe ich euch Beispiele beschrieben, wie beeindruckend die Funktion von Kinderköpfen ist. Da ich fasziniert bleibe und immer wieder bin, möchte ich euch noch einmal ein paar Beispiele erzählen:

    Das verschwundene Foto
    Bei einer unser letzten Wanderungen haben wir ein tolles Motiv gefunden und ein – wie es heute so schön heißt – Selfie von uns vieren gemacht. Das hat uns so gut gefallen, dass mein Mann und ich sagten „Das schicken wir schnell unseren Eltern!“. Unser Sohn war von dem Bild ebenfalls begeistert. Doch er sah uns nach dieser Aussage enttäuscht an und fragte: „Aber haben wir dann auch noch eines für uns?“ Zuerst Verwirrung in den Köpfen von uns Erwachsenen, dann haben wir verstanden: Für unseren Sohn bedeutete die Aussage, dass nun zwar seine Großeltern ein Bild haben, wir dadurch unseres aber verlieren. Dass mit der heutigen Technik das Bild dennoch auf dem Handy bleibt, war für ihn in diesem Moment einfach nicht fassbar.

    Schau mir auf den Mund, Kleines!
    Eigentlich ermahnen wir als Eltern unsere Kinder stets, uns beim Sprechen in die Augen zu blicken, da dies ja „höflich“ sei. Nun habe ich durch meine Tochter gelernt, dass das bei kleinen Kindern gar nicht so sinnvoll ist. Wieso?
    Am Abend vor dem Schlafengehen wünscht sie sich aktuell ein ganz spezielles Lied. Dies wird im Vorarlberger Dialekt gesungen und nicht jedes Wort ist für sie daher gleich verständlich. Jedes Mal, wenn ich es singe, schaut sie mir ganz gebannt auf die Lippen. Zunächst habe ich nicht wirklich verstanden warum, denn eigentlich sind wir es ja – wie gesagt – gewohnt, dass uns in die Augen geschaut wird.
    Ein paar Abende später wurde es mir aber dann klar: Durch das Lippenlesen und das Gehörte hat sie begonnen, sich den Text des Liedes zu merken und singt ihn selbstständig nach. An der Überbetonung ihrer Mundbewegungen ist dabei zu beobachten, wie sie meine Bewegungen nachahmt.
    Also: Lassen wir unsere Kinder uns auch auf den Mund starren 😉

    Schlafende Franzosen?
    Auch wir haben das WM-Finale gesehen und damit natürlich am Ende den Torjubel der französischen Spieler. In ihrem Überschwang glitten sie über den nassen Rasen und blieben am Ende liegen. Unsere Tochter sah das und fragte „Gehen die jetzt schlafen?“. Da ich inzwischen weiß, dass die Aussagen unserer Kinder irgendwie immer Sinn machen und ich das langsam auch gewohnt bin, wusste ich sofort was sie meinte. Da die Spieler sich hinlegten, war es für sie wie schlafen gehen.

    Mitgehen und lernen
    Ja, ihr kennt mein Plädoyer, aber all diese Beispiele zeigen es wieder: Nehmt eure Kinder ernst! Lacht nicht, wenn sie Fragen stellen, sondern lasst euch vielmehr faszinieren von dieser Welt in den Kinderköpfen! Es ist eine tolle Welt und eigentlich auch eine logische. Zudem bringen sie uns bei, uns hin und wieder deutlicher und klarer auszudrücken, sowie Doppeldeutigkeiten in unserer Welt zu erkennen.

  • Rolle wechsel dich!

    Rolle wechsel dich!

    Kennt ihr die Zirkusnummer, bei der eine Frau in kürzester Zeit ganz viele verschiedene Outfits wechselt? Geht es uns als Eltern nicht ähnlich?

    Switchen zwischen den Rollen
    Dabei trifft es Väter und Mütter in gleicher Weise. Wir wechseln über den Tag häufig unsere Rollen. Es geht vom Elternsein oft nahtlos über in die Aufgabe im Job. Dann wieder Wechsel in die Rolle als Mutter/Vater. Vielleicht noch kurz zwischendurch Putzfrau, Köchin, Kosmetikerin oder Lehrerin. An manchen Tagen wollen wir dann für unser Gegenüber noch Freund/in sein und für unseren Partner noch Frau/Mann. Und ganz zum Schluss, wenn wir noch nicht genug haben, möchten wir auch noch in die Rolle der eigenen Person schlüpfen.

    Konkurrenz
    Habt ihr nicht auch manchmal den Eindruck, dass die einzelnen Rollen, die ihr verkörpert, in Konkurrenz zueinander stehen? Auf der einen Seite: Als was bin ich besser? Bin ich die bessere Mutter oder die bessere Psychologin? Aber auf der anderen Seite auch in der Richtung: War ich heute eine „schlechte“ Hausfrau, weil ich mir die Freiheit genommen habe, einfach Zeit für mich zu verbringen?
    Es gibt noch weiteren Druck: Wir stehen in Konkurrenz mit anderen. Es gibt diese nicht wirklich motivierenden Berichte über Mütter und Väter, die alle diese vielfältigen Aufgaben problemlos schaffen. Beispielsweise sogenannte Promi-Mütter, die zwar in der Weltgeschichte herumreisen und Karriere machen, aber gleichzeitig ihre Kinder ohne Nanny aufziehen 😉

    Dadurch entsteht ein enormer Leistungsdruck: Wir möchten die beste Mutter sein, die ihren Kindern alles gibt und zu jedem Zeitpunkt ihre volle Aufmerksamkeit auf sie richtet. Wir möchten die perfekte Hausfrau sein, bei der nichts herumliegt und man buchstäblich vom „Fußboden essen kann“. Im Job wollen wir alles tun, dass unser Arbeitgeber, aber auch unsere Kunden/Klienten zufrieden sind. Als Ehefrau möchten wir natürlich auch adäquate Partnerin für unseren Ehemann sein, der am Abend nach der Arbeit ebenfalls seinen Platz bekommt. Vielleicht wollen wir dann auch noch einen Moment für uns selber haben, in dem wir für uns selber etwas tun möchten.

     Wenn ich die Tage beobachte, an denen ich wirklich mehrere Rollen nacheinander verkörpere und  die Übergänge dabei noch fließend sind, dann wird mir deutlich vor Augen geführt, dass ich nicht in allem perfekt sein kann. Ich kann nur mein Bestes für diesen Tag tun. An einem Tag gelingt mir das vielleicht besser als an einem anderen. Vielleicht ist es aber auch so, dass ich an dem einen Tag die eine Rolle lieber mag als die andere. Grundsätzlich habe ich mich für alle Aufgaben freiwillig und bewusst entschieden. Doch muss ich sie dennoch nicht immer mögen und es kann dennoch sein, dass sie mich manchmal an meine Grenzen führen.

  • Schenkt mir dein Ohr – einmal anders 😉

    Schenkt mir dein Ohr – einmal anders 😉

    Ihr kennt sicher auch die Redewendung „Jemandem ein Ohr abkauen“, oder?

    Redefluss
    Manche Eltern beklagen sich von Zeit zu Zeit, dass ihre Kinder ungebremst reden. Da gibt es unzählige Fragen, die in den Köpfen der Jüngsten herumschwirren und unbedingt gestellt und beantwortet werden müssen. Gleichzeitig aber auch gefühlt unendlich viele Erlebnisse, die genau im gleichen Moment aus dem Mund sprudeln. Wir haben dann als Eltern das Gefühl, dass uns der Kopf platzt, weil sowohl kein Platz mehr vorherrscht, als auch keine Antworten mehr verfügbar sind.

    Umkehr
    Aber kennt ihr auch den umgekehrten Fall?
    Letzthin wurde mir bewusst, dass ich manchmal nicht „besser“ bin als meine Kinder.
    Wenn ich die beiden zum Beispiel von der Spielgruppe oder dem Kindergarten abhole, dann ist meine erste Frage: Und wie war es? Was habt ihr gemacht?
    Meine Tochter vertröstet mich inzwischen auf dem Heimweg mit den Worten „Das erzähl ich dir nachher beim Essen, Mama“. Mein Sohn dagegen hat mir eine Zeit lang jedes noch so kleine Detail erzählt – vielleicht in der Hoffnung, dass mich das erschöpft. Aktuell nimmt er die Variante, dass er in einer ziemlich hohen Geschwindigkeit erzählt, sodass er es möglichst schnell hinter sich hat.

    Gesellschaft
    In der Selbstbeobachtung ist mir aber auch zum Beispiel beim Einkaufen aufgefallen, dass ich viel mit meinen Kindern diskutiere.
    Letzthin haben meine Tochter und ich für meinen Sohn eine Jacke gekauft. Ich habe sie dann nach ihrer Meinung gefragt, welche Jacke ihr besser gefällt. Dabei ist mir erst später aufgefallen, wie ich von einer anderen Mutter bei diesen „Verhandlungen“ mit meiner Tochter beobachtet wurde. Ihr Lächeln hat mir ein Bild davon gegeben, wie wir beide nach außen wirken.
    Das alles wird mir noch einmal bewusster, wenn ich einmal ohne die beiden unterwegs bin. Ich muss zugeben, mir fehlt dann der Austausch und die Unterhaltung mit den zweien. Irgendwie ist dann der Einkauf zur halb so lustig.

    Gegenseitiger Gewinn
    Natürlich haben wir früher auch zu Bilderbücher gegriffen, haben mit ihnen die Bilder angesehen und die jeweiligen Worte dazugesagt. Gleichzeitig haben wir uns aber von Geburt an immer einfach auch mit unseren Kindern unterhalten, im Auto, beim Essen, beim Spazierengehen. Im Rückblick scheint ihnen das auf verschiedenen Ebenen gut getan zu haben. Sie haben das Sprechen toll gelernt und sie haben sich irgendwie als Gegenüber erlebt. Zudem machen sie es inzwischen gleich: Wenn Freunde oder Bekannte mit kleinen Kindern kommen, dann unterhalten sich unsere Kinder einfach mit ihnen, auch wenn diese selber noch nicht reden können und wahrscheinlich auch nicht immer verstehen, was unsere Kinder sagen.
    Wie ihr aber seht, ist es auch für mich als Mama ehrlich gesagt auch ein Gewinn, wenn meine Kinder mir hin und wieder ihr Ohr leihen 😉

  • Muss ich es meinen Kindern immer Recht machen?

    Muss ich es meinen Kindern immer Recht machen?

    Für den Online-Auftritt von ‚Familienberatung Österreich‘, einer Initiative des Bundeskanzleramtes, durfte ich kürzlich einen Beitrag verfassen, den ich euch natürlich – wie gewohnt – nicht vorenthalten möchte: zum Beitrag

  • Erziehung ist keine gerade verlaufende Straße

    Erziehung ist keine gerade verlaufende Straße

    Wann wird man als Eltern eigentlich darauf vorbereitet, dass Erziehung nicht immer gerade verläuft? Dass es eine ständige Auseinandersetzung mit allen Beteiligten braucht? Dass Handlungen oder auch Grenzen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt super funktioniert haben, plötzlich durchdacht und umgestaltet werden müssen?

    Erziehung ist nicht das Gehen eines linearen Weges. Es ist ein ständiges Nach-Vorne-Schauen, Abzweigungen nehmen, aber auch ein „durch den Rückblick Lernen.“

    Grenzsetzung
    In unserer Familie wurden wir in den vergangenen Wochen und Monaten sehr eindrücklich mit dieser Herausforderung konfrontiert.
    Die Frage, mit der mein Mann und ich uns in den letzten Wochen und Monaten intensiv auseinandersetzen mussten, war die Frage nach der Flexibilität dieser Grenzen bzw. der Frage, wann braucht es eine Grenz-Veränderung. Bedingt war dies durch das Auflehnen unseres Sohnes gegen die eine oder andere Grenze, die wir bis dahin gesetzt haben. Für uns recht überraschend, kam es von einem Tag auf den anderen zu häufigen Diskussionen mit ihm.
    In einer ersten Reaktion darauf haben wir die Grenzen stetig enger gesetzt und auch versucht, diese durch das Androhen und Setzen von Konsequenzen durchzusetzen. Jeden Abend haben mein Mann und ich dann den Tag reflektiert und mussten feststellen, dass unsere Vorgehensweise völlig fruchtlos ist. Vielmehr war sogar das Gegenteil der Fall: Für unseren Sohn schien seine Welt zunehmend enger zu werden und dagegen lehnte er sich immer heftiger auf.

    Umdenken
    Wir stellten also fest, dass der eingeschlagene Weg uns nicht weiterführt.
    Daher haben wir uns noch einmal hingesetzt und unseren Sohn, der uns im direkten Kontakt nicht sagen konnte, was er braucht, symbolisch in die Mitte gesetzt. Wir haben ihn von allen Seiten betrachtet und eine Entscheidung getroffen: Wir machten die Grenzen weicher. Dabei haben wir nicht unsere grundsätzlichen Werthaltungen verändert, doch wir mussten eines feststellen: Offensichtlich hat unser Sohn einen Entwicklungsschub gemacht, der uns im ersten Moment entgangen ist. Er hat für sich selber erkannt, dass er sich sowohl körperlich, als auch im Kopf verändert hat und möchte, dass ihm mehr Dinge erlaubt und vor allem zugetraut werden. So haben wir das dann auch gemacht.
    Wir haben ihm mehr Eigenständigkeit und auch Eigenverantwortung gegeben. Wir ließen ihn Dinge ausprobieren, ohne ihn sofort zu limitieren. Gefühlt, sind wir einen Schritt zurückgetreten und haben ihn ein wenig losgelassen.

    Am Ball bleiben
    Wir mussten mit ein wenig Versuch und Irrtum herausfinden, was für unser Kind in dieser Lebensphase wichtig ist. Als Eltern waren wir froh, dass wir als Team funktioniert haben, denn es war keine einfache Zeit.
    Genau das ist der Kern der Erziehung: Nicht gleich war uns der richtige Weg deutlich vor Augen.  Doch indem wir mit unserem Sohn trotz aller Konflikte in Kontakt geblieben sind und als Eltern unser Handeln stets reflektiert haben, haben wir für alle einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht. Wir haben die bis dahin geltenden Grenzen und Erziehungseinstellung angepasst.

    Diese Zeit hat uns als Familie gestärkt. Möglich war das jedoch nur auf Grund unseres Vertrauens in die Sicherheit und Stabilität unserer Beziehung zu unserem Sohn, aber auch zwischen uns als Eltern.

  • Wenn aus zwei drei werden…

    Wenn aus zwei drei werden…

    Der Gedankenaustausch mit euch ist der Grundbaustein meines Blogs. Immer wieder wenden wir uns auch Tabuthemen zu. So auch dieses Mal.

    Das Paar tritt zurück
    Die Geburt eines Kindes wird von werdenden Eltern oft sehnsüchtig erwartet. In den Wochen und Monaten davor malen sie sich aus, wie ihr neues Leben wohl sein wird. Dabei widmen sie sich zwar zwischendurch auch dem Gedanken, was sich im Alltag alles ändern wird, doch dieser wird recht rasch zur Seite geschoben. Das ist grundsätzlich auch gut so, denn schließlich soll die Freude überwiegen. Wenn das Kind dann jedoch auf der Welt ist, kommt man als Eltern nicht mehr umhin, sich auch mit den Veränderungen auseinanderzusetzen.

    Eine große Veränderung findet dabei auf der Paarebene statt. Mit der Geburt eines Kindes wird aus einem Zweier-Gespann ein Dreier-Gespann und die gesamte Dynamik verändert sich. Das Paar steht nicht mehr im Vordergrund. Am Anfang ist es meist das Gegenteil: Dieses kleine Wesen braucht viel Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit, sodass die zeitlichen Ressourcen für das Paarleben sich deutlich reduzieren.

    Lückenhafte Vorbereitung
    In den Geburtsvorbereitungskursen wird viel Aufmerksamkeit der Geburt und den damit verbundenen Vorgängen gewidmet. Auch die Pflege des Kindes danach wird besprochen. Doch junge Paare bekommen nur selten den Raum, sich gedanklich auch auf die Veränderungen vorzubereiten, die ihre Zweisamkeit betrifft.

    Dabei handelt es sich eigentlich um einfach Mathematik: Die Zeit bleibt gleich. Der Tag hat weiterhin 24 Stunden. Doch anstatt, dass diese nur auf zwei Personen verteilt werden, werden sie auf drei Personen verteilt. Somit hat jedes Familienmitglied prozentuell nun weniger Zeit.

    Gut, das klingt nun sehr trocken und unemotional. Doch ist es eigentlich genau das, was viele Paare  -vor allem mit Kleinkindern – an ihre Grenzen bringt. Wir haben noch nicht einmal die körperlichen Veränderungen der Frau durch die Schwangerschaft, den Schlafentzug und auch die Einschränkungen in Freizeit und Unabhängigkeit erwähnt.

    Darüber reden bringt Erleichterung
    Ihr wisst, dass ich Anhängerin von Offenheit bin. Wie bei manch anderen Themen, die wir schon besprochen haben, ändert zwar das Reden an sich nicht die Tatsache selber, aber es bringt doch Erleichterung, wenn wir uns diesbezüglich mit anderen austauschen können. Es steht dabei nicht primär das Jammern im Vordergrund. Eigentlich geht es um Prävention. Junge Eltern sollten neben dem ganzen Glück von Anfang an auch die Veränderungen im Blick haben, die auf sie als Paar zukommen. Sie sollen den Raum und die Worte dafür bekommen, vor allem miteinander darüber zu reden. So kann vielleicht die eine oder andere Beziehung gerettet werden, die an falschen Erwartungen und an der Sprachlosigkeit zu scheitern droht.

  • Lasst uns ehrlich sein!

    Lasst uns ehrlich sein!

    Habt ihr manchmal auch das Gefühl, die einzigen Eltern zu sein, die mit dem einen bestimmten Problem konfrontiert sind? Sodass niemand anderer nachvollziehen kann, wie es euch geht?

    Schwäche unerwünscht!
    Es ist ja bekannt, dass wir Menschen nicht gerne über Probleme oder gar über unser Scheitern sprechen. So geht es uns auch als Eltern: Wir wollen nicht zugeben, dass wir bei einem gewissen Punkt am Ende unserer Weisheit sind – dass unser Kind halt nicht immer genau das tut, was wir möchten, sondern sich doch tatsächlich erlaubt, eine eigenständige Persönlichkeit, mit einem eigenen Willen, zu werden.

    Natürliche Grenzen
    Natürlich gibt es Zeiten, da funktioniert die Eltern-Kind-Interaktion nicht reibungslos. Da kommt es – gefühlt, egal weswegen – zu einer Eskalation. Bei Eltern entsteht dann der Eindruck, der/die einzige auf der Welt zu sein, der/die eine solche Phase – denn im Nachhinein zeigt sich, dass es nur eine Phase war – durchtauchen muss.

    Zum Beispiel, wenn man am Morgen das Zimmer des Kindes betritt und nicht weiß, ob man ein freundliches „Guten Morgen!“ oder doch nur ein gebrummtes „Raus!“ zu hören bekommt.
    Oder das Gefühl, dass nur das eigene Kind verstummt, sobald es auf andere Menschen trifft, die es freundlich ansprechen. Verschwindet dieser andere Erwachsene aus seinem Blickfeld, plaudert es wieder los, als würde es nichts lieber tun.
    Oder wenn sich ein Kind wie aus dem Nichts weigert, beim Fußballtraining zu bleiben, obwohl es noch zwei Tage davor freudestrahlend dabei war. Jetzt klammert es sich nur noch weinend an das Bein des Elternteils, ohne dass jemand eine Erklärung für diese Veränderung hat.

    Jetzt aber mal ehrlich!
    Ich möchte mit meinem heutigen Beitrag einen kleinen Aufruf an uns Eltern machen:
    Geben wir es doch zu: Das Eltern-Sein ist nicht immer einfach! Es gibt schwierige Zeiten, in denen wir völlig ratlos am Abend auf der Couch sitzen und uns fragen, wie das heute ein solch katastrophaler Tag werden konnte. Das bedeutet nicht, dass wir schlechte Eltern sind. Vielmehr zeigt das doch, dass wir, aber auch unsere Kinder, auch nur Menschen sind.
    Anstatt dass wir gegenseitig versuchen, uns als Eltern zu übertrumpfen und uns damit noch mehr unter Druck setzen, lasst uns doch ehrlich zueinander sein, und uns dadurch gegenseitig unterstützen, indem wir voneinander auch aus schlechteren Zeiten lernen. Das hilft gegen das Gefühl der Einsamkeit, das Gefühl, die Einzige zu sein, die die nicht alles im Griff hat. Gleichzeitig hilft uns das Gemeinschaftsgefühl, für den nächsten Tag wieder Kraft zu tanken und uns wieder dieser spannenden und herausfordernden Tätigkeit zu widmen.

  • Bitte Lächeln! Aber nur für uns!

    Bitte Lächeln! Aber nur für uns!

    Die Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“ hat die Blogparade „Kinderfotos im Netz“ ins Leben gerufen und damit – wieder einmal – ein sehr wichtiges Thema in unserer heutigen mediengeprägten Gesellschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

    Unterschiedliche Ansichten
    Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich in dem Beitrag „Nackte Tatsachen“ dieses Thema besprochen. Die Reaktionen auf meine Ansicht, allgemein mit Bildern von Kindern sensibel umzugehen und bei Nacktbildern noch einmal umsichtiger zu sein, waren sehr unterschiedlich und nicht immer bin ich dabei auf Verständnis gestoßen. Nicht alle Erwachsenen teilen die Ansicht, dass auch Kinder ein Recht auf Privatsphäre haben.

    Kinderfotos auf unserem Blog
    Natürlich habe ich mir, als ich meinen Blog gestartet habe, hinsichtlich der bildlichen Darstellung viele Gedanken gemacht. Zeige ich unsere Kinder? Nehme ich sie als Motiv zur Veranschaulichung des Textes? Ich habe mich bewusst und sehr schnell dagegen entschieden, die Gesichter unserer Kinder zu zeigen. Manchmal sieht man sie von hinten oder einzelne, zum Thema passende Körperausschnitte.

    Erziehungsaufgabe Grenzen
    Als Eltern ist es uns von Geburt des Kindes an ein wichtiges Anliegen, ihm beizubringen, für sich einzustehen und seinen Körper zu schützen, seine eigenen Grenzen zu wahren und „Nein“ zu sagen. Gleichzeitig ist aber zu beobachten, dass viele Eltern diese Grenzen selber nicht respektieren. Da werden bereits aus dem Kreißsaal Fotos verknautschter Babies an Familie, reale, aber auch virtuelle Freunde verschickt. Das ist heutzutage schnell mit einem Klick erledigt.
    Früher musste das Foto noch im Geschäft entwickelt, vervielfältigt und dann noch mit der Post verschickt werden. Da blieb viel Zeit, sich zu überlegen, ob das Motiv dem Kind gerecht wird und passend ist. Dennoch wurde auch damals nicht immer sensibel mit diesen Dingen umgegangen. Denken wir nur an die vielen Stiegenhäuser oder Wohnungseingänge, die tapeziert waren mit manchmal mehr oder weniger passenden und auch peinlichen Kinderfotos.

    Vorbildfunktion
    Damit wir uns recht verstehen: Auch ich mache begeistert Bilder unserer Kinder und bin froh um die Kamerafunktion des Smartphones, da wir bei den Ausflügen meistens den Fotoapparat zu Hause liegen lassen. Doch die Frage bleibt dann, was mit diesen Bildern passiert.
    Noch kniffliger wird die Sache bei den Jugendlichen: Viele von ihnen posten gerne die unterschiedlichsten Bilder von sich und geben sie damit einer virtuellen Welt frei, in der sie die wenigsten Menschen tatsächlich kennen. Sie haben keinerlei Kontrolle mehr darüber, was mit den Bildern passiert und nur zu oft hören wir in den Medien oder auch in privaten Kreisen, wie die Bilder in Folge unter anderem für Mobbing missbraucht werden.

    Aufruf!
    Es geht mir bei diesem Thema nicht um die Verunglimpfung der sozialen Medien oder des Internets. Für mich stehen vielmehr das Zurückbesinnen und die Sensibilisierung im Vordergrund.
    Lasst uns als Erwachsene sensibel sein hinsichtlich der Privatsphäre unserer Kinder und diese genauso schützen, wie wir das mit unserer eigenen machen. In manchen Situationen vielleicht sogar noch etwas mehr, denn Kinder können noch nicht selber entscheiden. Wenn wir hier aufmerksam sind und die Gründe dafür immer wieder mit unseren Kindern besprechen, lernen sie, zukünftig selber achtsam zu sein. Schließlich ist und bleibt: Das Internet vergisst nicht!