Vielleicht die Formel für eine erfolgreiche Erziehung? Was meint ihr?
Autor: Dr. Veronika Burtscher-Kiene
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Achtung! Vorsicht!
Vielleicht könnt ihr euch erinnern: Ende Jänner diesen Jahres habe ich einen Text zum Thema „Helikopter-Eltern“ geschrieben und wenn ihr mir erlaubt, möchte ich das Thema heute noch einmal aufnehmen.
Das Wandern ist…
Wie viele Familien sind auch wir im Sommer in den Bergen unterwegs. Meist geht es mit der Bahn hinauf und dann einen familienfreundlichen Rundweg am Gipfel entlang. Wir können uns inzwischen als glückliche Eltern schätzen, deren Kinder gerne laufen und dabei auch Dinge in der Natur entdecken. Da kommt es öfter vor, dass der Weg hinuntergerannt oder ein kleiner Felsen kletternd erklommen wird.Vorsicht vs. Ängstlichkeit
So froh wir über die Neugierde und die Bewegungslust unserer Kinder sind, haben mein Mann und ich gleichzeitig einen inneren Konflikt beobachtet, der nahe an dem oben angeführten Thema entlanggeht:Auf der einen Seite ist es die Aufgabe von Eltern, zukünftige Gefahren zu erkennen. Ist der Stein oder die Wurzel, über die geklettert wird, vom gestrigen Regen noch zu rutschig? Ist die Rutsche von der Sonne zu sehr aufgeheizt, als dass sie verwendet werden soll? Ist der Weg mit zu viel Geröll belegt, als dass es gut ist, ihn hinunterzurennen? Die Liste könnte natürlich noch unendlich lang fortgesetzt werden.
Aber dieser Gefahrenerkennung steht nun gegenüber, dass man als Eltern den Kindern etwas zutrauen sollte und seine Sorge nicht auf sie übertragen sollte. Kinder müssen Dinge erkunden dürfen. Vorsicht zu leben und Gefahren erkennen zu lernen, ist natürlich ein wichtiger Entwicklungsprozess. Gleichzeitig sollen Kinder nicht ängstlich aufwachsen.
Abwägen, abwägen, abwägen
Wie erwähnt, stehen mein Mann und ich – wie wahrscheinlich viele Elternpaare – immer wieder vor dem Moment, ob ein „Achtung!“ über unsere Lippen kommen soll. Dabei merken wir, dass wir uns nicht nur untereinander darin unterscheiden, ob wir eine Warnung aussprechen wollen, sondern es hängt zudem auch von unserer Tagesverfassung und der unserer Kinder ab, ob wir das Gefühl haben, es ist ein „mutiger“ Tag oder eher einer, an dem mehr Vorsicht geboten ist.Ist nicht genau das ebenfalls eine wichtige Lektion, die wir unseren Kindern mitgeben können? Nicht an jedem Tag können wir uns das Gleiche zutrauen. Es heißt immer wieder von Neuem, die Gefahren und Freuden des Lebens abzuschätzen…
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Was tun, wenn der Streit zu eskalieren droht?
Wie oft hören wir den Satz oder empfinden wir als Eltern selber Folgendes: Mein Kind hat mich provoziert, bis ich nicht mehr wusste, was ich tun soll. Bis ich mich selber kaum mehr unter Kontrolle hatte. Kinder kennen die „Schwachstellen“ von uns als Eltern und bohren genau da hinein. Manchmal ist es aber einfach so wie bei uns Erwachsenen auch: Das Kind hat sich in Rage geschimpft und ist mit logischen Argumenten oder Androhung von Konsequenzen nicht mehr erreichbar.
Genau an diesem Wendepunkt, an der Frage, wie weit wird der Streit eskalieren, sind wir als Eltern gefragt. An diesem Punkt ist es unsere Reaktion, die die Beziehung zum Kind bestimmt.Keine Argumente möglich
Aus eigener Erfahrung weiß ich natürlich, dass es ein Unterschied ist, ob ich mich gerade selber in der Akutsituation befinde oder ob es ist wie jetzt, wenn ich mich theoretisch mit dieser Frage auseinandersetzen kann. Stecke ich selber in der Situation und in der Emotion, bin ich wahrscheinlich ähnlich wie das Kind, nicht für logische Argumente empfänglich. Daher ist es wichtig, dass wir uns als Eltern vorher eine Exit-Strategie für ebensolche Situationen überlegen.Verlasse die Situation!
Der Hauptpunkt dabei muss lauten: Verlasse die Situation! Geh weg und schau, dass du dich zunächst selber beruhigst. Eine erfahrene Mutter gab mir hierfür schon vor langer Zeit den Tipp, aufs WC zu flüchten. Klingt im ersten Moment lustig, aber wenn man darüber nachdenkt, ist es ein guter Hinweis, denn man kann die Tür absperren und hat doch alles, was man braucht. Denn schließlich ist schwer abzuschätzen, wie lange diese Auszeit dauern muss. Erst nämlich, wenn ich es als Erwachsener schaffe, meine Emotionen in den Griff zu bekommen, kann ich wirklich wieder in Beziehung zu meinem Kind gehen.Wenn ich mit anderen Eltern diese Vorgehensweise diskutiere, erhalte ich oft zwei Reaktionsmöglichkeiten. Eine ist: Warum soll ich gehen? Die andere: Aber dann folgt mir mein Kind ja und rastet noch mehr aus, vor allem wenn ich abgesperrt habe. Zu ersterem erwidere ich, dass ich nur selber in der Hand habe, ob ich den Raum wechsle. Erwarte ich das von meinem Kind, führt das nur zu weiteren Diskussionen und sicherlich nicht zu einer Deeskalation. Und zu dem zweiten Punkt denke ich, dass es primär darum geht, sich als Erwachsener zu beruhigen. Ich brauche in diesem Moment eine Auszeit und kann mir diese nur durch Abstand holen.
Was kommt danach?
Ich weiß, dass es bei diesem Tipp nur um die Akutphase geht. Denn eines muss klar sein: Wenn ich den Schlüssel umdrehe und meinem Kind wieder begegne, dann muss ich einen Plan in der Hand haben, wie es weitergeht. Und dieser Plan ist – ihr könnt es euch denken – so individuell wie jedes Kind, jeder Erwachsene und jedes Diskussionsthema. Und wäre damit Thema für einen der nächsten Blogbeiträge… -

Einheitsbrei
… denn jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Bedürfnisse. Was ist eure Meinung?
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Bindet euch!
Wenn wir uns als Eltern mit der Frage beschäftigen, was das Wichtigste ist, das wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können, hören und lesen wir häufig den Ausdruck der „sicheren Bindung“. Auch ich beschäftige mich immer wieder mit dieser Theorie und den damit verbundenen Gedanken. So durfte ich am vergangenen Freitag auch nicht auf einer Tagung zu diesem Thema in Zürich fehlen. In zahlreichen Vorträgen wurde hier die Wichtigkeit einer sicheren Eltern-Kind-Bindung betont. Gerne möchte ich heute diese Überlegungen mit euch teilen.
Was bedeutet eine sichere Bindung?
Damit eine sichere Eltern-Kind-Bindung entstehen kann, sind zwei Aspekte von großer Bedeutung: elterliche Sensibilität sowie Vertrauen und Verlässlichkeit.Elterliche Sensibilität
Babys und Kleinkinder sind von Geburt an abhängig von ihren Bezugspersonen – von ihren Eltern. Für eine gesunde Entwicklung ist wichtig, dass Eltern lernen, ihre Bedürfnisse zu lesen und auf sie einzugehen. Dabei müssen wir uns als Eltern immer vor Augen führen, dass nicht jedes Kind in jeder Situation dasselbe Bedürfnis hat. Es braucht die Auseinandersetzung mit ihm, um zu erkennen, welche Handlungen seitens Vater und Mutter notwendig sind.Vertrauen und Verlässlichkeit
Elterliches Verhalten muss für ein Kind vorhersagbar sein. Für die kindliche Entwicklung ist es somit hinderlich, wenn zum Beispiel an einem Tag sein Verhalten mit Freude aufgenommen wird, während es am nächsten Tag bestraft wird. In diesem Umfeld kann es sich nicht frei entfalten und Dinge ausprobieren, sondern lebt in ständiger Furcht. Verlässlichkeit bedeutet für ein Kind zudem, dass es darauf vertrauen kann, dass die Eltern für es da sind. Sie müssen durch Erleben wissen, dass ihre Eltern da sind, dass sie zurückkehren, wenn sie gegangen sind.Aber warum ist nun die sichere Bindung das höchste Ziel in der Erziehung?
Eine sichere Bindung verhindert nicht, dass es zu Konflikten zwischen Eltern und Kind kommt. Sie bewahrt Eltern nicht davor, dass sie in verschiedenen Situationen an ihre Grenzen kommen. Sie bedeutet für ein Kind auch nicht, dass es keine Regeln in seiner Entwicklung erlebt. Jedoch ist die vertraute Bindung zwischen Eltern und Kind die Basis dafür, dass auch schwierigere Zeiten durchtaucht werden können. Dass eben dann, wenn ein Konflikt im Raum steht, dieser gemeinsam gelöst werden kann.Mark Thomas, ein Evolutionsgenetiker des Universitätskollegs London, sagt: „Es kommt nicht so sehr darauf an, wie schlau du bist, sondern wie du mit anderen verbunden bist.“ Denn nur, wenn ein Kind sichere Bindung erlebt und spürt, kann es auf Entdeckungsreise gehen. Erst aus diesem Hafen heraus, ist es ihm möglich, sich in die schöne und spannende, wenn auch manchmal raue und unberechenbare See, namens Leben, zu wagen.
Und es ist die sichere Bindung an die Eltern, die es Kindern ermöglicht, die für ihre Entwicklung so wichtigen Wurzeln zu entwickeln (wie im Blog-Beitrag „5 Gartentipps für stark verwurzelte Kinder“ beschrieben).
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Top 5 der Erziehungstipps in legendären Hollywood-Streifen
Was ein Hollywood-Blockbuster mit Kindererziehung zu tun hat.
Ein Gastbeitrag von Christof BurtscherMeine Frau ist Psychologin, Erziehungsexpertin und betreibt einen Blog zum Thema. Mit unseren zwei kleinen Kindern lernen wir quasi am lebenden Objekt und da ist es ganz normal, dass die wichtigsten Strategien unserer gemeinsamen Erziehungsidee zu Hause ausgiebig diskutiert werden. Das Thema ist also allgegenwärtig – ob erwünscht oder weniger. So passiert auch beim letzten Filmabend, als mir schlagartig bewusst wurde, dass viele unserer „Erziehungsgedanken“ auch in Filmen, die vordergründig nichts mit Erziehung und Kindern zu tun haben, präsent sind. Daher habe ich einmal etwas recherchiert und dabei gemerkt, dass wir gerade in den alten Hollywood-Klassikern viele interessante Gedanken zum Thema bekommen. Meine Top 5 will ich euch nicht vorenthalten:
Erziehungsfilm Nr 1: Der Pate
„Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ Ihr kennt sicher alle die Situation, als der Marlon Brando diese berühmt gewordene Aussage tätigt. Ihm war höchstwahrscheinlich 😉 gar nicht bewusst, dass er damit einen wichtigen Erziehungsgedanken ausspricht. Dabei geht es um Kompromisse und Alternativen. Gerade die Alternative ist dann sehr wichtig, wenn sich ein Kind beispielsweise auf etwas versteift hat, das es unbedingt haben muss. Mir fällt als Beispiel das Smarties-Joghurt im Supermarkt ein. Wenn ich hier anbiete, dass wir zu Hause ein eigenes Joghurt zusammenstellen, dann klappt das bestimmt. So schaffe ich eine gesündere Alternative und gemeinsam mit dem Erlebnis des Selbermachens und der damit dem Kind gewidmeten Zeit schaffe ich eben „ein Angebot, das es nicht ablehnen kann“.Erziehungsfilm Nr. 2: Casablanca
Wir wissen alle, dass die Wertschätzung deines Kindes damit beginnt, dass du dich auf dieselbe Ebene begibst. Das bedeutet, dass du auf Augenhöhe mit ihm kommunizierst – und das durchaus in seiner wörtlichen Bedeutung. Geh einmal in die Knie, wenn du mit ihm sprichst und du wirst schnell feststellen, dass die Kommunikation eine ganz andere ist. Diesen wichtigen Tipp hatte bereits Humphrey Bogart auf seinen Lippen, als er am Ende von Casablanca mit dem Brustton der Überzeugung spricht: „Ich seh dir in die Augen, Kleines.“ Hat funktioniert!Erziehungsfilm Nr. 3: Dirty Dancing
Mit dem 30-Jahr Jubiläum ist dieser Film derzeit in aller Munde. Gott sei Dank, denn Patrick Swayze sagt in einer Schlüsselszene etwas wirklich Kluges: „Mein Baby gehört zu mir!“ Und damit hat er vollkommen Recht! Denn eine Maßnahme mit der meine Frau und ich wirklich sehr gute Erfahrungen gemacht haben, ist jene, dass wir gerade kurz nach der Geburt gut darauf geachtet haben, wann wir unser Kind jemand anderem übergeben haben. Ihr kennt das sicher auch – das Baby ist da, niedlich und süß und jeder will es halten. Und ja, das Bedürfnis haben wir auch! Umgekehrt ist auch der mütterliche und väterliche Stolz nicht gerade dazu förderlich, in solchen Momenten auf das Bedürfnis des Kindes zu achten. „Klar kannst du es halten, nimm es ruhig!“ Wir haben gut darauf geschaut, dass wir unser Baby nur dann weitergegeben haben, wenn es sich wohlgefühlt hat – und das macht ein Baby unmissverständlich klar.Erziehungsfilm Nr. 4: Highlander
Bevor ich jetzt meinen Ruf als Liebesfilmjunkie weg habe, streue ich noch galant einen Brutalo-Klassiker ein! An welchen Satz denkt man wohl, wenn man „Highlander“ hört? Jawohl! „Es kann nur einen geben!“ Kennt ihr das auch, wenn ihr euren Kindern sagt, dass ihr jetzt genau dieses eine Spielzeug habt und dass sie es doch bitte gerecht teilen sollen? Das funktioniert im besten Fall für ein paar Minuten, bevor eines der beiden Kinder das Teil stärker für sich beansprucht und schon geht die Auseinandersetzung los. Es kann also nur einen geben, der mit einem Spielzeug zugange ist – oder, vielleicht ist das die Lösung: Es muss zwei geben. Oder: eine Alternative… und schon sind wir wieder beim Paten: „Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann!“Erziehungsfilm Nr. 5: Titanic
Ja, das ist im Großen und Ganzen auch wieder eine Liebesgeschichte – darf aber in dieser Sammlung wohl nicht fehlen. Wenn es um die Erziehung geht, kann vor allem ein Satz zum Nachdenken anregen: Ihr habt doch sicher die Szene in Erinnerung, als Leo mit Kate am Schiffsbug steht und laut schreit: „Ich bin der König der Welt!“Hier sehe ich die Gefahr, dass wir unsere Kinder mehr und mehr in Watte packen und versuchen, jedmögliches Risiko von ihnen fern zu halten. Dazu gehört auch das „Zutodeloben“. Egal, was manche Kinder machen, sie werden von ihren Eltern ausschließlich gelobt. Auch wenn Dinge erkennbar falsch laufen und weit unter dem Leistungsvermögen der Kinder sind. Wie bitte sollen die Kinder daraus lernen? Natürlich loben und motivieren wir, aber wir müssen auch ansprechen, wenn Dinge nicht so gut laufen. Wenn wir kleine Könige erziehen, die glauben, alles zu können und zu wissen, werden sie eines Tages voll auf die Nase fallen – spätestens wenn sie auf jemanden treffen, der ihnen direkt sagt, was falsch läuft.
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Urlaub – eine … Zeit?
Wie ihr aus meiner Blog-Aktivität wahrscheinlich erkannt habt, haben auch meine Familie und ich uns eine Auszeit gegönnt und sind in Urlaub gefahren. Und obwohl wir uns alle sehr auf diese Zeit gefreut haben, fällt es mir für diesen Text schwer, sie mit nur einem Eigenschaftswort zu beschreiben. Ist es eine wunderschöne Zeit? Eine abenteuerliche Zeit? Eine erholsame Zeit? Eine erwartungsbesetzte Zeit? Manchmal auch eine beängstigende Zeit?
Die Spannung steigt
Auf jeden Fall ist Urlaub immer anders als der Alltag. Das ist ja eigentlich auch das Ziel. Abstand zu gewinnen, Zeit miteinander zu verbringen und Anderes zu erleben.
Auch unsere Kinder haben sich sehr auf den Urlaub gefreut. Wobei wir zunehmend gemerkt haben, dass sie sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen konnten. Vielmehr haben sie das Wort im Kindergarten und in der Spielgruppe aufgeschnappt. So mussten wir schon Wochen vorher beginnen zu zählen, wie lange noch zu schlafen ist, bis wir endlich in Urlaub fahren. Als dann die Koffer gepackt wurden, stieg die Aufregung. Die Kuscheltiere wurden im Auto verstaut und los ging es.Erste Erkenntnisse
Unsere Kinder waren gespannt, was nun auf sie zukommen wird. Sie waren erfreut, als sie den Hof sahen, auf dem wir die nächsten Tage leben würden, mit all seinen Tieren und seinem großen Kinderspielplatz. Sie schienen nichts von zu Hause zu vermissen, sondern sich voll auf das Gefühl „Urlaub“ einzulassen.
Doch der erste Eindruck trügte. Es gefiel ihnen dort, wo wir wohnten und die verschiedenen Unternehmungen, die wir gemacht haben. Doch haben mein Mann und ich auch gemerkt, dass es wichtig blieb, ihren von zu Hause bekannten Rhythmus beizubehalten. Dies zeigte sich vor allem am Abendritual. Hier den üblichen Ablauf aufrechtzuerhalten, schien ihnen Sicherheit und Ruhe in der für sie ungewohnten Schlaf-Umgebung zu geben.Und so sehr mein Mann und ich uns Gedanken darüber gemacht haben, welche Art Urlaub für unsere Kinder wohl geeignet ist und wir auch den Eindruck hatten, eine sehr gute Wahl getroffen zu haben, kehrten wir alle wieder gerne nach Hause zurück. Auch die Kinder wirkten nach der ganzen aufregenden Zeit glücklich darüber, ihre gewohnte Umgebung zurückzuhaben und begannen, ihre Spielsachen wieder neu zu entdecken.
Rituale to-go
Rückblickend kann ich sagen, dass Urlaub mit Kleinkindern nicht primär eine erholsame Zeit ist. Er ist eine familienintensive und spannende Zeit. Allen gefiel das Andere und Neue.
Dennoch bleibt die Erfahrung, dass im Koffer neben den Kuscheltieren auch gewisse Rituale aus dem Alltag Platz finden müssen, so dass der Urlaub wirklich für alle auch ein Genuss sein kann. -

Schhhh, nicht so laut!
Neben „Nein“ ist einer der häufigsten Ausdrücke, denen Kinder im Laufe ihrer Entwicklung begegnen, „Schhhh! Nicht so laut!“ Egal, ob im Supermarkt, im Gasthaus oder in den eigenen vier Wänden. Eltern sind stets darauf bedacht, die Lautstärke ihrer Kinder möglichst gering zu halten. Und was mir jetzt in den letzten Wochen gerade aufgefallen ist, sogar im eigenen Garten werden Kinder „leise gedreht“.
Kennt ihre das auch? Es ist ein herrlicher Sonntag, die Temperaturen gerade recht, um das Planschbecken im Garten für die Kinder aufzustellen. Und nichts lieben Kinder mehr als schreiend und juchzend im kühlen Nass zu spielen. Wenn man nun den Eindruck hat, die einzigen Menschen zu sein, die an diesem Tag draußen sind und es, wenn die Kinder einmal kurz schweigen, bis auf das Vogelgezwitscher absolut still ist, dann entsteht innerlich schnell wieder der Druck, für Ruhe sorgen zu müssen.
Lautstark im Supermarkt
Ein anderes Beispiel: Ein Kind klemmt sich bei den Einkaufswagen im Lebensmittelgeschäft die Finger ein. Das schmerzt und es beginnt lauthals zu weinen. Auch dort konnte ich Eltern beobachten, die sich zwar zunächst um den eingeklemmten Finger kümmerten, doch kurz darauf folgte schon „Schhhh! Nicht so laut! Die Leute schauen ja schon!“Auch an den öffentlichen Spielplätzen lässt sich beobachten, dass Eltern manchmal mehr Energie damit verschwenden, Kindern die in ihren Augen sozial verträgliche Lautstärke beizubringen, als einfach begeistert ihr Spiel zu beobachten.
Da stellt sich doch die Frage: Wo dürfen Kinder denn noch Kind-Sein? Wo dürfen Kinder sich noch so ausleben, wie es für sie passt?
Natürlich gibt es Orte, wo Stille geboten ist. Natürlich muss darauf geachtet werden, dass die Umgebung nicht beeinträchtig ist. Aber dennoch müssen wir Kindern auch erlauben, sich auszutoben.
Tür zu, Musik an!
Denn sind wir uns ehrlich?! Brauchen nicht auch wir Erwachsene immer wieder einen Ort, wo wir ungehemmt sein können? Wo wir tanzen, lachen, weinen, singen können, so laut und intensiv wie es gerade notwendig ist? Manche von uns gehen abends in die Disco und tanzen und singen. Andere drehen während des Kochens die Musik laut auf und singen – manchmal eher schief – die Lieblingslieder mit.Wir müssen unseren Kindern diesen Raum ebenfalls geben. Lasst uns doch einfach hin und wieder mit ihnen gemeinsam johlend ins Plantschbecken hüpfen!



