Autor: Dr. Veronika Burtscher-Kiene

  • Wellness für die Elternseele

    Wellness für die Elternseele

    Seit einem halben Jahr betreibe ich nun meinen Blog und habe mich im Laufe der Zeit schon mit vielen unterschiedlichen Bereichen der Erziehung beschäftigt.

    Anspruch an Disziplin
    Während ich diese Zeit Revue passieren lasse, wird mir folgende Beobachtung bewusst: Es heißt zwar immer, im Vordergrund der Erziehung steht die Disziplin der Kinder. Doch wird bei dieser Tätigkeit nicht eigentlich auch unheimlich viel Disziplin seitens der Eltern verlangt? Erst wenn sie sich über die unterschiedlichen Bereiche einer Kinderseele Gedanken gemacht haben und sich damit auseinandersetzen, können sich ihre Kinder gesund entwickeln, ihre eigene Persönlichkeit stärken. Damit das gelingt, müssen Eltern ihre eigenen Bedürfnisse häufig hinten anstellen, ihre Emotionen zügeln. Auch bei meinen Beiträgen komme ich meist zu der Schlussfolgerung, dass wir als Eltern uns in das Kind hineinversetzen sollen, um zu verstehen, was unsere Handlungen für das Kind bedeuten.
    Doch das alles braucht Kraft und Energie.

    Achtet auf euch!
    Daher steht bei meinem heutigen Beitrag eine andere Art Appell an die Eltern im Vordergrund:
    Euch allen, die ihr meine Beiträge so zahlreich lest und kommentiert, möchte ich danken, dass euch eure Kinder so viel bedeuten, dass ihr diese Energie investiert. Doch vergesst dabei euch selber nicht! In vielen Berufen bekommen die Mitarbeiter eine Sabbatzeit und Urlaub, wie im Sommer unschwer zu beobachten ist. Den Eltern – auch wenn sie eines der herausforderndsten Unternehmen führen – steht dies nicht offiziell zu. Also nehmt euch diese Auszeit! Atmet durch und sammelt Energie, sodass ihr auch weiterhin bereit sein könnt, eure Kinder auf ihrem Weg zu begleiten!

    Ein herzliches Danke euch allen!

  • Der Rückzug kommt noch früh genug

    Der Rückzug kommt noch früh genug

    Kennt ihr das auch? Ihr geht durch euer Wohnzimmer und sucht nach etwas. Plötzlich stoßt ihr einen zischenden Fluch aus – natürlich nicht zu laut, wegen der Kinder 😉. Und dann kommt der Blick auf den Boden nach dem Verursacher des Schmerzes: ein herumliegendes Auto oder ein Duplo-Stein, die sich auf den Fußweg geschlichen haben…

    Wohin mit den Spielsachen?
    Es ist eine langanhaltende Diskussion unter Eltern: Wo sollen die Spielsachen der Kinder sein?
    Die Meinungen sind dabei so unterschiedlich, wie so oft in der Erziehung.
    Auf der einen Seite sind da die Vertreter der Ansicht, dass sämtliche Spielsachen in die Kinderzimmer gehören – und nur dahin. Das Wohnzimmer ist ein sogenannter „Familienbereich“ und davon freizuhalten. Auf der anderen Seite sind jene Eltern, die Spielsachen in allen Räumen der Wohnung oder des Hauses erlauben.

    Auch wir stehen immer wieder vor dieser Frage.
    Als die Kinder noch ganz klein waren und noch kein eigenes, zugewiesenes Zimmer hatten, waren die meisten Spielsachen im Wohnzimmer – einem offenen Bereich zur Küche hin. Dort spielte sich eigentlich das ganze Familienleben ab. Zudem wollten die Kinder einfach in unserer Nähe sein und hatten kein Bedürfnis, allein in ihren Zimmern zu spielen.
    Seit die Kinder nun größer sind und jedes sein eigenes Zimmer hat, hatten wir beschlossen, die Spielsachen dorthin zu räumen und den Wohnbereich davon zu befreien.

    Vorhaben vs. Realität
    Tja… Aber wie so oft haben wir diesen Plan ohne unsere Kinder gemacht😊.
    Regelmäßig räumen mein Mann und ich die Duplo-Steine, Autos, Bücher und was es sonst noch gibt in die leeren Kinderzimmer zurück. Doch das dauert nur bis zum nächsten Spielenachmittag. Dann spielen die Kinder zum Beispiel, dass sie wandern gehen, volle Rucksäcke haben und ein Picknick machen möchten. Das darf auf Grund der bestehenden Regeln nicht im Kinderzimmer aufgebaut werden. Also wird die Decke im Wohnzimmer ausgebreitet und mit ihr sämtliche Spielsachen, die zum „Wandern“ benötigt werden.

    Prioritäten setzen
    Auch wenn die Regel besteht, dass die Kinder am Abend die Spielsachen wieder aufräumen und somit das Wohnzimmer eigentlich davon befreien müssen, haben mein Mann und ich beschlossen, auch hier einen Kompromiss einzugehen: Ein Teil der Spielsachen darf im Wohnzimmer bleiben, der andere Teil bleibt in den Kinderzimmern. Denn irgendwie haben wir gemerkt, dass es uns weniger wichtig ist, wo die Kinder spielen, als vielmehr, dass sie Raum für ihre Phantasien bekommen. Das Bedürfnis nach Rückzug wird bei ihnen noch früh genug kommen und damit auch das große Schild am Kinderzimmer mit folgendem Schriftzug: „Kein Zutritt“…

  • „Sag schön bitte…“

    „Sag schön bitte…“

    Wenn man als Eltern mit Kindern unterwegs ist, bekommen diese immer wieder etwas geschenkt: einen Luftballon im Buchgeschäft, ein Stück Wurst an der Theke oder ein Bonbon beim Ausgang. Die Kinder freuen sich, die Eltern auch. Wäre da nicht dieser kurze Moment, der viele noch immer in Stress versetzt: Sagt mein Kind auch schön „danke“?! Schließlich gibt es auch auf Seiten des Schenkenden das Zögern, ob vom Kind etwas kommt. In vielen Fällen übernehmen es dann die Eltern oder es folgt der berühmte Satz „Wie heißt das?“.

    Das Duell um ein Wort
    Für viele Eltern stellt die Höflichkeitserziehung bei ihren Kindern einen großen Wert dar. Es ist für sie wichtig, dass die Kinder „bitte“ und „danke“ sagen, wenn sie etwas haben wollen oder bekommen. Da kann schon hin und wieder eine Art Machtkampf zwischen den Parteien beobachtet werden:
    Das Kind hätte gerne noch einen Löffel vom Mittagessen und sagt „Noch einmal Reis.“ Die Mutter schaut das Kind mit großen Augen an und wartet. Das Kind schaut mit großen Augen zurück und sagt „Reeeiiss“. Die Mutter „Wie heißt das?“ Und das Kind mit einem etwas äffigen Ton: „Biiittee!“
    Nun kann die Mutter in dem obigen Beispiel zwar für sich zufrieden abhaken, dass das Kind ja höflich war. Doch hat das Kind wirklich gelernt, jedes Mal dieses für uns Erwachsene so wichtige Wort zu sagen. Hat es erlebt, dass es sich dabei um einen Wert handelt?

    Gleichberechtigung
    Wie immer, wenn ich mich gedanklich mit diesen Alltagsbeobachtungen beschäftige, frage ich mich im Umkehrschluss: Wie verhalten wir Erwachsene uns unseren Kindern gegenüber? Wenn wir etwas von ihnen haben wollen, sagen wir am Ende eines Satzes immer „bitte“? Oder wenn unser Kind uns etwas gibt, dass wir dann auch wirklich jedes Mal „danke“ sagen? Tendenziell ist es doch eher so, dass Erwachsene hier Kindern gegenüber nicht den gleichen Respekt an den Tag legen. Wir wollen zwar, dass Kinder höflich sind, doch verhalten wir uns ihnen gegenüber selten gleich.

    Vorbild
    Dabei würde sich auch bei diesem Zusammenhang das Anerziehen ähnlich empfehlen, wie in vielen anderen Bereichen der Erziehung: Wenn es in einer Familie üblich ist, dass ein freundlicher Ton angeschlagen wird, wenn alle Mitglieder „bitte“ und „danke“ sagen, gegenseitiger Respekt besteht, unabhängig vom Alter, dann ist ein entsprechendes Verhalten selbstverständlich und nichts Besonderes mehr.

  • „Nachtragend sein“… ist doch viel zu anstrengend!

    „Nachtragend sein“… ist doch viel zu anstrengend!

    Vor einiger Zeit habe ich schon einmal darüber geschrieben, was wir uns als Erwachsene von unseren Kindern abschauen können. Und in letzter Zeit beobachte ich eine weitere Eigenschaft, die mir an Kindern imponiert und mich manchmal selber beschämt: Sie sind nicht nachtragend!

    Direktheit
    Kinder gehören zu den ehrlichsten Wesen auf der Welt. Wenn sie wütend sind, dann toben sie. Wenn sie sich wehgetan haben, dann schreien sie, egal ob sie gerade in der Öffentlichkeit sind oder in ihrem eigenen Zimmer. Der Schmerz muss raus. Wenn sie deine neue Frisur nicht mögen, dann sagen sie dir das auch sehr direkt. Und wenn Kinder streiten, dann streiten sie miteinander. Da wird nicht auf Grund sozialer Gegebenheiten die Wut hinuntergeschluckt, wenn die kleine Schwester zum fünften Mal den aufgebauten Duplo-Turm umhaut oder einfach das Feuerwehrboot klaut. Es wird lautstark geschumpfen. Bei Kindern auch „beliebt“ die Aussage : “Jetzt bin ich nicht mehr dein Freund/deine Freundin.“ Das stellt für sie eine sehr harte Strafe dar.

    Die reinigende Kraft des Auslebens
    Doch was dann folgt, ist beeindruckend. Wurde die Wut ausgedrückt und gesagt, was stört, dann kann es zwar sein, dass geweint wird, aber kurz darauf ist alles vorbei und es wird weitergespielt. Da wird nicht mehr lange nachphilosophiert oder lamentiert. Der Konflikt war da, wurde ausgesprochen und ist damit erledigt.

    Nicht nur in einem Konflikt zwischen Kindern, sondern auch mit einem Erwachsenen kann das beobachtet werden. In dieser Beziehung kommt es ebenfalls häufig zu Auseinandersetzungen und Diskussionen, die nicht selten darin enden, dass der Elternteil dem Kind irgendetwas verbietet. Dann kann es zwar sein, dass das Kind tobend in sein Zimmer  rennt und dir Türe knallt. Doch anscheinend ist das so reinigend, dass das Kind kurz darauf wieder auftaucht und so normal mit dem Elternteil spricht, als sei nichts Gewesen.

    Was vorbei ist, sollte vorbei sein
    Ich finde es beeindruckend, wie Kinder etwas einfach als erledigt ansehen können und nicht ewig denselben Brei durchkauen müssen. Die Emotionen werden direkt ausgedrückt und dann passt es. Bei diesem Thema komme ich nicht umhin, mich auch an der eigenen Nase zu nehmen und mir die Kinder hier als Vorbild zu nehmen. Meinungsverschiedenheiten sollen und dürfen sein, doch sie müssen auch ein Ende finden und wieder das in den Vordergrund kommen, was wichtig ist: Die Beziehung miteinander!

  • „Bist du noch da?“

    Als Eltern machen wir uns viele Gedanken darüber, was wir unseren Kindern alles mit auf ihren Weg geben wollen und sollen. Was brauchen unsere Kinder, um sich gut entwickeln zu können, um stabile Persönlichkeiten zu werden? Wie können wir erreichen, dass sie glücklich werden, gutes Sozialverhalten zeigen und empathisch sind? Wie können wir sie im Lernen unterstützen?

    Die Zahl der Elternratgeber in Buchhandlungen ist riesig, die Auswahl an Elternblogs im Internet ebenfalls 😉 Sie sind voller Ratschläge, manche hilfreicher als andere.

    Ich möchte heute eine vermeintliche Kleinigkeit aufzeigen, die in der Eltern-Kind-Beziehung von unschätzbarer Bedeutung ist: Das Spiegeln

    Das „Still Face-Experiment“
    In diesem sehr spannenden Experiment wird gezeigt, was bei einem Kleinkind passiert, wenn seine Mutter plötzlich nicht mehr auf es reagiert. Das Kind versucht mit allen möglichen Grimassen und Verrenkungen nicht nur die Aufmerksamkeit der Mutter zu erlangen, sondern vor allem auch eine Reaktion, eine Veränderung der Mimik. Dies glückt jedoch nicht und führt beim Kind zu einer Irritation und ins Weinen. Erst als die Mutter wieder reagiert und somit Kontakt zum Kind aufnimmt, beruhigt es sich wieder.

    Martin Buber
    Der Religionsphilosoph Martin Buber schreibt: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“
    Das heißt, erst in der Reaktion eines Gegenübers lernen wir, ein Gefühl für uns selber zu bekommen, uns selber zu spüren. Dies ist vor allem in den ersten Lebensmonaten und Lebensjahren von großer Bedeutung, bleibt es aber ein Leben lang.

    Denn nur als kurzes Gedankenexperiment wieder für uns selber: Wenn wir mit anderen Leuten reden oder vielleicht auch einen Vortrag halten und wir sehen in den Gesichtern des Gegenübers keinerlei Reaktion, führt das zu Irritation und wir fragen uns, ob der andere überhaupt zuhört oder ob wir etwas total Blödes erzählenn. Auch als Erwachsene brauchen wir das Gegenüber.

    Echte Begegnung
    In der Eltern-Kind-Begegnung bleibt das Arbeiten auf der Beziehungsebene die wichtigste Aufgabe. Es ist für die kindliche Entwicklung nicht ausschlaggebend, ob man im Sommer alle Strandbäder im Land besucht oder ob man immer das neueste Spielzeug zu Hause hat. Tatsächlich förderlich ist adäquates Reagieren auf ein Kind, mit ihm in Beziehung und in Auseinandersetzung zu gehen. Im Gesicht, in der Körperhaltung des Gegenübers, lernt das Kind sich zu erkennen und auch zu verstehen.

    Und als Eltern müssen wir uns zwischendurch erlauben, dass die Staubfussel in den Ecken der Zimmer liegenbleiben, wenn das Kind kommt, um zu kuscheln und Nähe spüren zu können. Einfach die Augen schließen und genießen…

  • #kurznachgedacht

    #kurznachgedacht

    Genauso wie im Song von Max Giesinger sind Kinder, wenn sie spielen, in ihrer eigenen Welt. Um sie daraus hervorzuholen – beispielsweise wenn das Abendessen wartet – gehen wir am besten persönlich dorthin und holen sie ab!

  • Nein, das brauchst du jetzt nicht!

    Nein, das brauchst du jetzt nicht!

    Wenn Kinder etwas haben wollen, sagen sie „Ich brauche das jetzt!“ Das geschieht, wenn das Kind den Schnuller will, oder gerade in diesem Moment ein Wasser, in dem wir es uns bequem gemacht haben, oder ein Kuscheltier, das es im Geschäft entdeckt hat. Wenn wir als Eltern ihm das aber nicht kaufen oder den Schnuller nicht geben wollen, sagen wir gerne, dass es das nicht braucht.

    Negieren von Gefühlen
    Doch eigentlich gibt es eine Feinheit, deren wir uns als Erwachsene bewusst werden müssen: Wenn wir wirklich so reagieren, negieren wir das Gefühl des Kindes in diesem Augenblick.

    „Du bist doch schon groß!“
    Blieben wir beim Schnuller-Beispiel: Das Kind ist müde und möchte gerne den Schnuller haben. Sein Gefühl ist in dem Moment, ihn zu brauchen, ohne ihn nicht einschlafen zu können bzw. einfach nur zufrieden sein zu können. Wir als Eltern versuchen aber gerade im Auftrag der Erziehung, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen. Anstatt die Wahrheit zu sagen, die da lautet: „Nein, du bekommst den Schnuller nicht mehr, weil er deinen Zähnen schadet und wir nicht mehr möchten, dass du ihn so oft nimmst.“, sagen wir lieber: „Aber den brauchst du doch gar nicht mehr. Du bist doch schon groß.“

    Wer will was?
    Doch dabei treffen zwei Sichtweisen aufeinander: Das Kind selber hat das Gefühl, ihn zu brauchen. Die Eltern wiederum wollen ihn ihm nicht geben. Und hier kommt der wichtige Schritt: Als Eltern müssen wir dazu stehen, wenn wir an gewissen Punkten, die Entscheidung fällen, nein zu sagen, und dem Kind etwas nicht zu geben. Gleichzeitig dürfen wir dem Kind nicht sein Bedürfnis absprechen, nur damit unser Gefühl besser ist.

    Projektionsfläche bieten
    In Erziehungsratgebern begegnet uns immer wieder der Begriff der „liebevollen Grenzsetzung“ oder auch „Nein aus Liebe“. Diese Formulierungen helfen zwar den Eltern beim Gefühl, sie tun es ja nur den Kindern zu liebe – was im weitesten Sinne ja auch der Wahrheit entspricht. Für die Kinder selber ändert sich aber in ihrer aktuellen Wahrnehmung nicht viel. Aus ihrer Sicht wurde ihnen die Befriedigung eines Bedürfnisses verwehrt. Das frustriert und macht ärgerlich. Dies wiederum entlädt sich an jenen Personen, die das Bedürfnis nicht befriedigt haben. Für die Entwicklung des Kindes ist es nun von großer Bedeutung, dass es diese Frustration an der Zielperson abladen kann und diese auch Verständnis dafür hat.

    Wir müssen als Erwachsene ehrlich bleiben und vom häufigen „Das brauchst du nicht“ zum ehrlichen „Ich kann mir vorstellen, dass du das haben willst, aber ich möchte dir das jetzt nicht kaufen oder geben“ übergehen.