Kategorie: Erwachsene als Vorbild

  • „Bist du noch da?“

    Als Eltern machen wir uns viele Gedanken darüber, was wir unseren Kindern alles mit auf ihren Weg geben wollen und sollen. Was brauchen unsere Kinder, um sich gut entwickeln zu können, um stabile Persönlichkeiten zu werden? Wie können wir erreichen, dass sie glücklich werden, gutes Sozialverhalten zeigen und empathisch sind? Wie können wir sie im Lernen unterstützen?

    Die Zahl der Elternratgeber in Buchhandlungen ist riesig, die Auswahl an Elternblogs im Internet ebenfalls 😉 Sie sind voller Ratschläge, manche hilfreicher als andere.

    Ich möchte heute eine vermeintliche Kleinigkeit aufzeigen, die in der Eltern-Kind-Beziehung von unschätzbarer Bedeutung ist: Das Spiegeln

    Das „Still Face-Experiment“
    In diesem sehr spannenden Experiment wird gezeigt, was bei einem Kleinkind passiert, wenn seine Mutter plötzlich nicht mehr auf es reagiert. Das Kind versucht mit allen möglichen Grimassen und Verrenkungen nicht nur die Aufmerksamkeit der Mutter zu erlangen, sondern vor allem auch eine Reaktion, eine Veränderung der Mimik. Dies glückt jedoch nicht und führt beim Kind zu einer Irritation und ins Weinen. Erst als die Mutter wieder reagiert und somit Kontakt zum Kind aufnimmt, beruhigt es sich wieder.

    Martin Buber
    Der Religionsphilosoph Martin Buber schreibt: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“
    Das heißt, erst in der Reaktion eines Gegenübers lernen wir, ein Gefühl für uns selber zu bekommen, uns selber zu spüren. Dies ist vor allem in den ersten Lebensmonaten und Lebensjahren von großer Bedeutung, bleibt es aber ein Leben lang.

    Denn nur als kurzes Gedankenexperiment wieder für uns selber: Wenn wir mit anderen Leuten reden oder vielleicht auch einen Vortrag halten und wir sehen in den Gesichtern des Gegenübers keinerlei Reaktion, führt das zu Irritation und wir fragen uns, ob der andere überhaupt zuhört oder ob wir etwas total Blödes erzählenn. Auch als Erwachsene brauchen wir das Gegenüber.

    Echte Begegnung
    In der Eltern-Kind-Begegnung bleibt das Arbeiten auf der Beziehungsebene die wichtigste Aufgabe. Es ist für die kindliche Entwicklung nicht ausschlaggebend, ob man im Sommer alle Strandbäder im Land besucht oder ob man immer das neueste Spielzeug zu Hause hat. Tatsächlich förderlich ist adäquates Reagieren auf ein Kind, mit ihm in Beziehung und in Auseinandersetzung zu gehen. Im Gesicht, in der Körperhaltung des Gegenübers, lernt das Kind sich zu erkennen und auch zu verstehen.

    Und als Eltern müssen wir uns zwischendurch erlauben, dass die Staubfussel in den Ecken der Zimmer liegenbleiben, wenn das Kind kommt, um zu kuscheln und Nähe spüren zu können. Einfach die Augen schließen und genießen…

  • BALL, BBBBALL, BAAAALLLL, BALLL, BALL! Und wie lernt dein Kind sprechen?

    BALL, BBBBALL, BAAAALLLL, BALLL, BALL! Und wie lernt dein Kind sprechen?

    Ein Kind dabei zu erleben, wie es sprechen lernt, ist für Eltern eine sehr besondere Phase. Zum ersten Mal seine Stimme zu hören, berührt sehr. Doch wie können Eltern ihre Kinder im Lernen unterstützen? Natürlich lernen Kinder am besten durch Wiederholungen. Eltern können sich also mit ihren Kindern hinsetzen, Bilder ansehen und immerzu das Wort wiederholen. Doch macht das beiden wirklich Spaß? Nun stellen wir uns aber einmal vor, dass wir auf diese Art eine Fremdsprache lernen sollen. Da verlieren wir doch auch recht bald die Freude daran!

    Lustvolles Lernen
    Viel lustvoller ist das Lernen doch im Zusammenhang mit einer Unterhaltung oder verpackt in einem Spiel. Vielen Eltern fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ein Kind das Sprechen lernt, einfach „nur“ weil wir mit ihm reden. Doch beobachtet euer Kind, während ihr ihm etwas erzählt. Wobei der Inhalt vollkommen egal ist. Ihr seht dann faszinierte Kinderaugen, die auf eure Lippen starren. Manchmal greifen sie auch nach den Lippen und berühren sie, während ihr sprecht. Kinder formen ihre Lippen, während ihr sprecht, und versuchen euch nachzuahmen. Oder sie imitieren den Klang eines Wortes, auch wenn sie zunächst noch gar nicht wissen, was sie sagen. Natürlich unterstreicht ihr eure Unterhaltung mit Bildern oder mit Gesten, damit das Kind erkennt, was ihr meint. Aber alles findet im Rahmen eines Gesprächs statt und nicht in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis.

    Kinder mit Geschwistern
    Diese Art des Sprechenlernens ist bei Kindern mit Geschwistern sehr eindrücklich zu beobachten. Denn ein älteres Geschwister setzt sich selten mit dem anderen mit einem Buch hin und betont einzelne Worte. Vielmehr redet es einfach mit ihm, erzählt ihm vielleicht Geschichten aus diesem Buch. Sie unterhalten sich und wenn sie sich nicht ganz verstehen, dann verwenden sie Hände und Füße dazu. Sie spielen miteinander und benennen dabei Dinge oder Figuren.

    Lernen in der Beziehung
    Kinder sind interessiert und neugierig. Sie wollen Dinge entdecken. Ihr Gehirn ist wie ein Schwamm. Es saugt alles auf, was ihm begegnet. Und genauso wollen sie die Sprache entdecken. Die Aufgabe von Eltern ist es, den Kindern nicht nur die Notwendigkeit des Erlernens einzelner Worte beizubringen, sondern vor allem auch die Faszination von Sprache. Und wenn dies dann noch zusätzlich im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs stattfindet, ist es umso lustvoller und für die Beziehung eine unbezahlbare Bereicherung!

  • Eines wissen alle Eltern auf der Welt:  … wie die Kinder anderer Leute erzogen werden sollten

    Eines wissen alle Eltern auf der Welt: … wie die Kinder anderer Leute erzogen werden sollten

    Als ich vor Kurzem diesen Satz der bekannten Schweizer Psychologin Alice Miller gelesen habe, musste ich lachen und bestätigend den Kopf nicken.

    Alle Eltern kennen folgende Situation: Das Baby weint im Kinderwagen und dir selber völlig fremde Menschen kommen vorbei, schauen dich vorwurfsvoll an und geben dir Ratschläge wie „Vielleicht hat es Hunger.“ Ohne zu wissen, dass es vor fünf Minuten sein Fläschchen bekommen hat. Oder wenn ein Kind im Geschäft trotzig wird und schreit und alle um dich herum nur den Kopf schütteln und miteinander flüstern.

    Neigung zu Vorverurteilungen
    Wir Menschen neigen dazu, uns über alles und jeden sofort eine Meinung zu bilden. Und vergessen dabei, dass wir hinter das Geschehen blicken müssen. Nur weil wir zu einer Situation dazustoßen, wissen wir nicht, was davor passiert ist.

    Folgende Szene: Eine Mutter sitzt am Spielplatz auf der Bank und telefoniert. Ihr Kind sitzt allein im Sandkasten und versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie reagiert jedoch nicht. Kommt in uns nicht gleich der Gedanke auf: Das arme Kind! Wie kann die Mutter nur so herzlos sein? Wir haben aber nicht gesehen, dass die Mutter davor schon eine Stunde mit dem Kind im Sand gesessen ist und sie jetzt einen Anruf angenommen hat, auf den sie den ganzen Tag schon gewartet hat. Wir meinen einfach zu wissen, dass sie sich nicht um das Kind kümmert.

    Selbstreflexion
    Wir reagieren brüskiert, wenn andere Menschen ungefragt meinen, es besser zu wissen. Aber spüren wir nicht alle diesen Impuls manchmal in uns?! Hier heißt es, sich selber zu reflektieren. Kurz innezuhalten und sich zu fragen: Habe ich wirklich alle Informationen, um einer Beurteilung der Situation gerecht zu werden? Ich denke, wir sollten uns auf uns selber konzentrieren. Gleichzeitig aber zur Verfügung stehen, wenn jemand uns um einen Rat fragt.

    Wir alle machen unsere Erfahrungen im Leben – theoretisch und praktisch. Und dennoch müssen wir vorsichtig sein und sensibel bleiben. Denn ohne ausreichende Informationen können und dürfen wir anderen Menschen keine Ratschläge geben. Und ungefragt bleiben sie sowieso ungehört…